Eine Reise durch die Geologie der fünf Champagner-Regionen – und warum jede Rebsorte ihren Platz kennt
Die fünf Champagner-Regionen
Was der Boden erzählt
Eine Reise durch die Geologie der fünf Champagner-Regionen – und warum jede Rebsorte ihren Platz kennt
Wer ein Glas Winzerchampagner betrachtet, sieht das Licht in der Perlage, die Farbe, die feinen Schlieren am Glasrand. Was man nicht sieht, ist das Fundament, aus dem all das entsteht: Kreide, Mergel, Kalkstein. Gestein, das vor Jahrmillionen am Grund eines Meeres entstand.
Der Comité Champagne formuliert es so klar wie bemerkenswert: Pflanzt man dieselbe Rebsorte am selben Breitengrad und baut sie exakt gleich aus – es entsteht dennoch kein Champagner, wenn ihre Wurzeln in einem anderen Untergrund stecken.
Lassen Sie uns gemeinsam hinabsteigen. Mit dem Blick einer Geologin – und dem Gaumen einer Sommelière.
Eine Reise 90 Millionen Jahre zurück
Vor rund 90 Millionen Jahren lag dort, wo heute Reben wachsen, ein Meer. Unzählige mikroskopisch kleine Meeresorganismen sanken zu Boden, Schicht um Schicht, bis zu 200 Meter mächtig. Aus ihren Kalkschälchen wurde die Kreide, die heute das Herz der Champagne bildet.
Rund 70 Millionen Jahre später senkte sich das Pariser Becken unter dem Gewicht dieser Sedimente in seiner Mitte ab, während sich seine nördlichen und östlichen Ränder anhoben. Stellen Sie sich einen Stapel ineinanderliegender Suppenteller vor: In der Mitte liegen die jüngsten Schichten oben, an den Rändern treten die älteren zutage. Genau auf diesen Rändern – sanft ansteigenden Geländestufen, von der Erosion zu Hügeln geformt – liegen die Weinberge der Champagne.
Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel: Je weiter man nach Süden und Osten reist, desto älter wird der Boden unter den Reben.
Warum Kreide so besonders ist
Rund 75 % der Gesteine, die in der Champagne an die Oberfläche treten, sind kalkhaltig: Kreide, Mergel und Kalkstein. Die Kreide ist dabei der Star – aus drei Gründen:
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Ein natürlicher Wasserspeicher. Kreide ist hochporös und kann 300 bis 400 Liter Wasser pro Kubikmeter halten. Selbst in trockenen Sommern verdurstet die Rebe nicht.
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Ein kluger Dosierer. Die Kreide gibt ihr Wasser nur langsam über feinste Kapillaren frei. Die Rebe muss sich ein wenig anstrengen – und genau diese sanfte Zurückhaltung fördert das Gleichgewicht zwischen Säure, Zucker und den Aromavorstufen im Wein.
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Trockene Füße. Kalkgestein zerbricht leicht und lässt überschüssiges Wasser abfließen. Staunässe ist der Rebe fremd.
Hinzu kommt das Relief: Die Champagne ist ein Hangweinbaugebiet mit durchschnittlich 12 % Gefälle – an manchen Stellen bis zu 59 %. Die meisten Lagen blicken nach Süden, Südosten oder Osten und fangen so jede Stunde Sonne ein.
Gut zu wissen: Der Comité Champagne gliedert das Weinbaugebiet offiziell in vier große Unterregionen. Die Côte de Sézanne wird dabei häufig der Côte des Blancs zugerechnet – geologisch und geschmacklich hat sie jedoch so viel Eigenständigkeit, dass wir ihr hier ein eigenes Kapitel widmen.
DIE REGIONEN
Montagne de Reims
Zwischen den Flüssen Marne und Vesle erhebt sich ein Höhenzug, der Reims wie ein Halbmond umschließt.
Vallée de la Marne
Von Épernay aus zieht sich der Weinberg entlang der Marne, auf steilen Hängen zu beiden Seiten des Flusses.
Côte des Blancs
Die Côte des Blancs verläuft südlich von Épernay von Nordost nach Südwest, quer zur Marne.
Côte de Sézanne
Südwestlich der Côte des Blancs setzt sich der Hangzug fort – und doch ist hier vieles anders.
Côte des Bar
Ganz im Süden, südöstlich von Troyes, liegt die Côte des Bar – Die Côte des Bar ist in unserer Kollektion noch nicht vertreten – eine Entdeckung, auf die wir uns schon freuen.
Ein Gedanke zum Schluss
Rund 34.300 Hektar, 319 Crus, etwa 280.000 Parzellen – und doch eine einzige Appellation. Was die Champagne so faszinierend macht, ist diese Vielfalt unter einem Namen. Der Comité Champagne lädt dazu ein, zwei Chardonnays aus zwei verschiedenen Regionen nebeneinander zu verkosten. Wir können uns dem nur anschließen: Nehmen Sie sich Zeit, schmecken Sie die Kreide, den Mergel, die Sonne.
Wie schön sich diese Regionen ergänzen, zeigt die Grande Maison Billecart-Salmon aus Mareuil-sur-Aÿ: Sie verbindet Pinot Noir, Meunier und Chardonnay aus der Montagne de Reims, dem Marne-Tal und der Côte des Blancs. Ihr Le Rosé ist ein Paradebeispiel dafür, was eine Assemblage aus mehreren Terroirs leisten kann.
Genuss zeigt sich nicht in der Anzahl der Gläser – sondern darin, zu verstehen, was im Glas ist.