Kostenloser Versand ab einem Einkaufswert von 150 Euro

Acht Rebsorten im Champagner: welche das sind und warum Sie nur drei kennen

Acht Rebsorten im Champagner: welche das sind und warum Sie nur drei kennen Quast Collection

Für Champagner sind sieben Rebsorten klassisch zugelassen: Pinot Noir, Meunier, Chardonnay, Pinot Blanc, Pinot Gris, Arbane und Petit Meslier. Seit 2022 kommt mit Voltis eine achte hinzu — allerdings nur mit befristetem Versuchsstatus und strengen Mengengrenzen. Die ersten drei Sorten stellen über 99 Prozent der rund 34.000 Hektar Rebfläche; die vier vergessenen Sorten teilen sich zusammen nur etwa 90 Hektar.

 

Wie viele Rebsorten sind im Champagner erlaubt?

Champagner ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung, eine AOC (Appellation d’Origine Contrôlée). Dahinter steht ein Lastenheft: ein Regelwerk, das festlegt, wo gepflanzt wird, wie gepresst wird, wie lange gereift wird — und welche Rebsorten in die Flasche dürfen. Steht eine Sorte nicht darin, darf der Wein sich nicht Champagner nennen.

Das Lastenheft nennt sieben Sorten der Art Vitis vinifera. Voltis, seit 2022 aufgenommen, gehört nicht zu dieser Art und unterliegt Sonderregeln. Wer von „acht Rebsorten“ spricht, liegt also nicht falsch — sollte diesen Unterschied aber mitdenken.

 

Warum stecken in fast jeder Flasche nur drei Sorten?

Weil drei Sorten praktisch das gesamte Anbaugebiet belegen. Ihre Anteile an der Rebfläche:

  • Pinot Noir — rund 38 %. Eine rote Traube, weiß gekeltert. Sie bringt Struktur, Kraft und rotfruchtige Noten.

  • Meunier — rund 32 %. Ebenfalls rot, früher „Pinot Meunier“ genannt. Treibt später aus, verträgt Frost besser, liefert Fruchtigkeit und frühe Zugänglichkeit.

  • Chardonnay — rund 30 %. Die einzige weit verbreitete weiße Sorte. Steht für Frische, Zitrusnoten, Mineralität und Alterungsfähigkeit.

Zwei Begriffe auf dem Etikett verweisen direkt auf diese Sorten: Ein Blanc de Blancs besteht ausschließlich aus weißen Trauben, in aller Regel aus Chardonnay. Ein Blanc de Noirs besteht ausschließlich aus roten Trauben — Pinot Noir, Meunier oder beiden —, die weiß gekeltert werden. Steht keiner der beiden Begriffe auf der Flasche, handelt es sich fast immer um eine Assemblage aus mehreren Sorten.

Welche vier Rebsorten sind fast verschwunden?

Alle vier zusammen belegen heute noch rund 90 Hektar, also weniger als ein halbes Prozent der Champagne. Zum Vergleich: etwa 130 Fußballfelder in einem Anbaugebiet von rund 34.000 Hektar.

  • Pinot Blanc. Eine hellbeerige Mutation des Pinot Noir — dieselbe Rebe, andere Farbe. In der Champagne heißt sie oft Blanc Vrai. Sie gibt weiche, blumige Weine mit weniger Säure als Chardonnay.

  • Pinot Gris, auch Fromenteau. Ebenfalls aus der Pinot-Familie, mit rosafarbenen bis grauen Beeren. Eine uralte Sorte, in der Champagne bereits im Mittelalter dokumentiert. Im Glas: getrocknete Früchte, ein Hauch Rauch, mehr Fülle als Frische.

  • Arbane. Die seltenste Rebsorte der Champagne — weltweit existieren nur noch wenige Hektar. Spät reifend, krankheitsanfällig, ertragsschwach. Ihre Aromatik geht in Richtung Mandarine und Bergamotte.

  • Petit Meslier. Eine natürliche Kreuzung aus Gouais Blanc und Savagnin, säurebetont, mit Zitrus- und Veilchennoten. Nach der Reblaus-Krise kaum nachgepflanzt.

 

Warum wurden diese Sorten nicht wieder angepflanzt?

Nicht aus geschmacklichen Gründen, sondern aus wirtschaftlichen. Ab den 1890er-Jahren zerstörte die Reblaus einen Großteil des Weinbergs. Beim Wiederaufbau setzten die Winzer auf das, was sich rechnete: Sorten mit verlässlichem Ertrag und akzeptabler Krankheitsresistenz.

Arbane und Petit Meslier fielen durch — nicht weil sie schlecht schmeckten, sondern weil sie zu wenig und zu unregelmäßig lieferten. Pinot Blanc und Pinot Gris blieben nur in einzelnen Parzellen erhalten, meist im Süden des Anbaugebiets.

 

Was ist Voltis — und warum ist die Zulassung eine Premiere?

Voltis ist keine klassische Vitis vinifera, sondern eine PIWI-Sorte: eine pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung. Sie trägt Resistenzgene gegen echten und falschen Mehltau — die beiden Pilzkrankheiten, gegen die im Weinbau am häufigsten gespritzt wird. Wer Voltis pflanzt, kann den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich senken.

Die Champagne hat Voltis 2022 in ihr Lastenheft aufgenommen und war damit die erste französische AOC überhaupt, die eine pilzresistente Sorte zulässt. Voltis steht dabei nicht gleichberechtigt neben den anderen sieben, sondern gilt als „Sorte von Interesse zur Anpassung“ (französisch VIFA) — ein Versuchsstatus mit klaren Grenzen:

  • maximal 5 % der Rebfläche eines Betriebs

  • maximal 10 % der Cuvée

  • befristet auf fünf Jahre, einmal verlängerbar

  • nur mit individueller Vereinbarung zwischen Winzer, Schutzgemeinschaft und INAO

Es ist also kein Freibrief, sondern ein kontrolliertes Experiment — aber eines mit Signalwirkung weit über die Region hinaus.

 

Drei Flaschen aus unserer Kollektion

Drei Flaschen, drei Lesarten derselben Rebsorten-Logik.

Delabaye, Champagne Brut Original — Damery (Vallée de la Marne) · 40 % Pinot Noir, 40 % Meunier, 20 % Chardonnay · 28,00 €

Was diese Cuvée zeigt: die drei großen Sorten in einer einzigen Flasche, in fast gleichen Teilen. Genau das ist der Normalfall in der Champagne — eine Assemblage, kein Monocépage. Wer den Stil der Region kennenlernen will, fängt hier an.

Im Glas: reife weiße Früchte, Brioche und Zitrus, dazu Waldbeeren und Bergamotte; cremige, harmonische Textur. Ausbau im Edelstahltank und teilweise im Eichenfass, mindestens 24 Monate Hefelager. Dosage 9 g/l. Zertifiziert HVE und Viticulture Durable en Champagne.

 

Thuillier & Filles, Champagne Blanc de Blancs — Beaunay, zwischen Côte des Blancs und Coteaux du Petit Morin · 100 % Chardonnay · 38,00 €

Was diese Cuvée zeigt: einen Blanc de Blancs in Reinform. Nur eine Sorte -  was der Chardonnay allein leistet, ist hier ungefiltert nachvollziehbar. Dosage Brut (8g/L) — 

Im Glas: lebendige, intensive Zitrusnoten, dann florale Töne, dazu Apfel, Weißdorn und Linde; klare Frische mit intensivem Abgang. Brut Zéro, ohne Dosage. Ausbau im Edelstahltank, danach zwei bis vier Jahre Flaschenreife. Zertifiziert HVE und Viticulture Durable en Champagne. Zu Lachs, Sushi und Jakobsmuscheln.

 

Gamet, Champagne Rive Droite – Blanc de Noirs — Mardeuil (Vallée de la Marne) · 85 % Meunier, 15 % Pinot Noir · 40,00 €

Was diese Cuvée zeigt: den Gegenpol. Ein Blanc de Noirs aus roten Trauben, dominiert von Meunier — jener Sorte, die lange als bloße Ergänzung galt und hier die Hauptrolle spielt.

Im Glas: Waldbeeren und Rhabarber, eine dezente Holznote, spürbare Fülle und Struktur. Extra Brut mit 4 g/l. Fünf Monate Hefelager im Edelstahltank, mindestens 20 Monate Flaschenreife. Basisjahrgang 2022 mit 30 % Reserveweinen aus 2021. Zertifiziert HVE und Viticulture Durable en Champagne.

Champagne Rive Droite - Blanc de Noirs Maison Gamet

Schmeckt man die Rebsorte im Glas?

Teilweise. Die Sorte prägt die Grundrichtung: Chardonnay tendiert zu Zitrus und Frische, Pinot Noir zu Struktur und roten Früchten, Meunier zu Fülle und Waldbeeren. Diese Linien sind nachvollziehbar, wenn man einen Blanc de Blancs und einen Blanc de Noirs nebeneinander probiert.

Entscheidender für den Charakter einer Flasche sind aber Faktoren, die auf dem Etikett meist fehlen: die Dauer der Hefelagerung, der Anteil an Reserveweinen, die Dosage und die Art des Ausbaus. Ein Champagner mit neun Jahren Hefelager schmeckt anders als einer mit zwei — unabhängig davon, welche Sorten in der Cuvée stecken.

 

Häufige Fragen

 

Wie viele Rebsorten sind für Champagner zugelassen?

Sieben klassisch zugelassene Sorten: Pinot Noir, Meunier, Chardonnay, Pinot Blanc, Pinot Gris, Arbane und Petit Meslier. Seit 2022 kommt Voltis als achte Sorte hinzu, allerdings nur mit befristetem Versuchsstatus.

 

Welche drei Rebsorten stecken in fast jedem Champagner?

Pinot Noir (rund 38 % der Rebfläche), Meunier (rund 32 %) und Chardonnay (rund 30 %). Zusammen stellen sie über 99 Prozent der etwa 34.000 Hektar der Champagne.

 

Welche Rebsorten der Champagne gelten als vergessen?

Pinot Blanc, Pinot Gris (auch Fromenteau), Arbane und Petit Meslier. Alle vier zusammen belegen noch rund 90 Hektar, weniger als ein halbes Prozent des Anbaugebiets. Arbane ist die seltenste davon.

 

Was ist Voltis?

Eine pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung (PIWI) mit Resistenzgenen gegen Echten und Falschen Mehltau. Die Champagne hat sie 2022 zugelassen — als erste französische AOC überhaupt — begrenzt auf 5 Prozent der Rebfläche eines Betriebs und 10 Prozent der Cuvée, zunächst für fünf Jahre.

 

Was bedeutet Blanc de Blancs und Blanc de Noirs?

Ein Blanc de Blancs wird ausschließlich aus weißen Trauben erzeugt, in der Regel Chardonnay. Ein Blanc de Noirs wird ausschließlich aus roten Trauben erzeugt — Pinot Noir, Meunier oder beiden —, die weiß gekeltert werden. Beide Angaben beziehen sich auf die Traubenfarbe, nicht auf die Qualität.

 

Gibt es einen Champagner mit allen acht Rebsorten?

Nein. Voltis ist zu neu und auf 10 Prozent der Cuvée begrenzt. Cuvées mit allen sieben klassischen Sorten gibt es dagegen, etwa „Les 7“ von Laherte Frères oder „Le Nombre d’Or“ von Aubry.

 

Über die Autorin

Marion Quast — Mitgründerin von Quast Collection

Als Deutsch-Französin begleitet Marion Quast den Champagner seit fast dreißig Jahren. Für Quast Collection wählt sie ausschließlich Winzerchampagner aus — handverlesen aus rund 16.000 Winzern der Champagne. Ihre Expertise vertiefte sie in einer sechsmonatigen Fachausbildung bei der Sommelière Manuela Prieth.

Mehr über Marion Quast →

UNSERE CHAMPAGNER WINZER