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Voirin-Jumel: der Winzer aus Cramant, das erst seinen Boden kartieren ließ

Voirin-Jumel: der Winzer aus Cramant, das erst seinen Boden kartieren ließ Quast Collection

Voirin-Jumel ist ein unabhängiges Winzerhaus (Négociant Manipulant) in Cramant, im Herzen der Côte des Blancs. Der Betrieb wird in fünfter Generation geführt, heute von Patrick Voirin und seinen Töchtern Julie und Pauline. Rund zehn Hektar Rebfläche, verteilt auf mehrere Parzellen in verschiedenen Crus. 2022 ließen Julie und Pauline jede dieser Parzellen geologisch untersuchen — Bodenprofile, Bohrkerne, eine sensorische Analyse jeder einzelnen Bodenschicht — bevor sie irgendetwas im Keller veränderten. Sechs ihrer Cuvées sind ab sofort bei Quast Collection erhältlich, zwischen 34 und 66 Euro.


Wer ist Voirin-Jumel?

Der Betrieb wird seit fünf Generationen weitergegeben. Die Marke Voirin-Jumel selbst entstand 1968, mit der Hochzeit von Gilles Voirin und Françoise Jumel — zwei Winzerfamilien der Côte des Blancs, verwurzelt in den Grand-Cru-Gemeinden Cramant und Chouilly. Aus der zweiten Generation stammt auch der Erwerb einer Parzelle jenseits der Kreide: „Les Carelles“ in Mareuil-sur-Aÿ, von Paulette Jumel gekauft und 1968 mit Pinot Noir bepflanzt.

Heute führen Patrick Voirin und seine beiden Töchter das Haus in fünfter Generation: Pauline als Winzerin in Weinberg und Keller, Julie auf der kaufmännischen Seite. Die Assemblagen entstehen sechshändig. Bewirtschaftet werden rund zehn Hektar, aufgeteilt auf mehrere Parzellen in verschiedenen Crus und im Wesentlichen mit zwei Rebsorten bestockt: Chardonnay und Pinot Noir.

Die Haltung des Hauses fasst ein Satz zusammen, den es selbst an den Anfang stellt: Es genügt nicht, ein großes Terroir zu besitzen — man muss es respektieren.

Domaine Voirin-Jumel: der Winzer aus Cramant, côte des Blancs, FranceCramant, Voirin-Jumel


Cramant und Chouilly: zwei Grands Crus der Côte des Blancs

Die Côte des Blancs umfasst rund 3.200 Hektar Rebfläche südlich von Épernay. Ihre Besonderheit ist eine fast vollständige Spezialisierung: 97 Prozent der Fläche sind mit Chardonnay bepflanzt. Pinot Noir und Meunier teilen sich die restlichen drei Prozent.

Sechs Gemeinden der Côte des Blancs tragen die Einstufung Grand Cru: Oiry, Chouilly, Cramant, Avize, Oger und Le Mesnil-sur-Oger. Vier weitere sind als Premier Cru klassifiziert. Die Einstufung geht auf die historische Échelle des Crus zurück, eine Bewertungsskala der Gemeinden: Grand Cru bezeichnet dabei die 17 champagneweit mit 100 Prozent bewerteten Gemeinden — die Einstufung gilt der Gemeinde, nicht der einzelnen Parzelle oder dem einzelnen Wein.

Der Untergrund besteht aus Kreide, abgelagert vor rund 75 Millionen Jahren im Campanium, als hier ein flaches, warmes Meer lag. Diese Kreide speichert Wasser, gibt es in Trockenphasen an die Reben ab und prägt den geraden, salzig-mineralischen Stil, für den die Côte des Blancs bekannt ist.

2022: die geologische Studie, die allem vorausging

„Unser erster Schritt als Winzerinnen dreht sich um unser Terroir.“ Im November 2022 ließen Julie und Pauline Voirin jede ihrer Parzellen vom Geologen Geoffrey Orban untersuchen. Die Methode ging über eine übliche Bodenanalyse deutlich hinaus:

  • Bohrkerne und Bodenprofile, Schicht für Schicht (Horizont H1 bis H6 je nach Parzelle)

  • eine sensorische Analyse jeder einzelnen Bodenschicht — trocken im Glas und mit Wasser angesetzt

  • parallel dazu die Verkostung der Grundweine aus derselben Parzelle

  • ein Abgleich zwischen den Gerüchen des Bodens und den Aromen des Weins

 

Voirin-Jumel: der Winzer aus Cramant, das erst seinen Boden kartieren ließ

Daraus leiten die beiden konkrete Entscheidungen ab: wie die Böden bearbeitet werden, welche Rebsorte auf welche Parzelle gehört, wie präzise die Kulturmaßnahmen ausfallen. Die Bodenbearbeitung befindet sich seit drei Jahren in Umstellung.

Lage

Gemeinde

Pflanzjahr

Fläche

Hangneigung

Höhe

Les Bas Caures

Chouilly, Grand Cru

2010

32 Ar

5 %

132–137 m

Le Gros Mont

Cramant, Grand Cru

1985

11,59 Ar

6 %

142–147 m

Les Vignes de Mardu

Cramant, Grand Cru

2006

45,73 Ar

17 %

194–205 m

Alle drei Lagen sind mit Chardonnay bepflanzt, nach Nordosten ausgerichtet und stehen auf braunem Kalkboden über Hangkolluvien mit kreidigem Untergrund. Quelle: Studie Geoffrey Orban, November 2022.

Das Ergebnis ist kein Marketingargument, sondern eine Arbeitsgrundlage. Die Studie zeigte etwa, dass der Steinteppich in Les Bas Caures aus den Frost-Tau-Zyklen des Quartärs stammt und die Drainage begünstigt — und dass eine lehmige Matrix dort die Kalkwirkung abmildert und fruchtige Noten beisteuert.

 Was ist eine réserve perpétuelle?

Eine ewige Reserve ist ein Behälter, der nie vollständig geleert wird. Jedes Jahr wird ein Teil für die Abfüllung entnommen und durch den neuen Jahrgang ersetzt. Über die Jahre entsteht so eine Mischung, die theoretisch bis zum ersten Jahrgang zurückreicht — vergleichbar mit dem Solera-Verfahren im Sherry.

Voirin-Jumel setzt zwischen 40 und 44 Prozent Reservewein aus dieser ewigen Reserve ein. Der Zweck ist doppelt: Er gleicht schwache Jahrgänge aus und verleiht den Cuvées eine Tiefe, die ein einzelner Jahrgang nicht liefern kann.

Voirin-Jumel: der Winzer aus Cramant, côte des Blancs, France, seit 1968

Dieselbe Cuvée, zwei Lesarten: La V.1 und La V.2

La V.1 und La V.2 sind derselbe Wein. Dieselben Parzellen in Cramant und Chouilly, derselbe Basisjahrgang, dieselben 40 Prozent Reservewein. Der einzige Unterschied ist die Dosage.

Die Dosage ist die kleine Menge Zucker, die nach dem Degorgieren zugesetzt wird. La V.1 erhält 4 bis 6 g/l, La V.2 gar keine. Das Haus formuliert es so: „Zwei Lesarten eines Weins, zwei Arten, ihn auszudrücken.“

Was das im Glas bewirkt: Die Dosage rundet die Säure ab und hebt die reiferen, gebäckartigen Aromen hervor. Ohne sie tritt der Wein straffer, zitrischer und salziger auf und rückt näher an die Primäraromen — an das, was vom Untergrund kommt. Wer wissen will, was Dosage tatsächlich bedeutet, hat hier den seltenen Fall eines direkten Vergleichs in derselben Flaschenserie.


Sechs Cuvées bei Quast Collection

Cuvée

Typ

Rebsorten

Dosage

Preis

L'Assemblage

Brut

61 % Pinot Noir, 39 % Chardonnay

6 g/l

34,00 €

La V.1

Blanc de Blancs Grand Cru

100 % Chardonnay

4–6 g/l

42,00 €

La Saignée

Rosé de Saignée

100 % Pinot Noir

5 g/l

43,00 €

La V.2

Blanc de Blancs Grand Cru

100 % Chardonnay

0 g/l

45,00 €

555

Blanc de Blancs, Fassausbau

100 % Chardonnay

4 g/l

62,00 €

Cramant

Blanc de Blancs Grand Cru

100 % Chardonnay

3 g/l

66,00 €

Alle Cuvées: 0,75 Liter, 12,5 % vol., Serviertemperatur 8–10 °C, Lagerfähigkeit 3 bis 5 Jahre. Preise Stand September 2026.

 

Welche Cuvée passt zu welchem Anlass?

Zum Aperitif und für den geselligen Abend: L'Assemblage. Pinot Noir und Chardonnay in ausgewogenem Verhältnis, 6 g/l Dosage, der zugänglichste Wein des Hauses. Er trägt auch durch die Mahlzeit — zu gebratenem Geflügel, feiner Charcuterie oder halbfestem Schnittkäse.

Zu Austern, rohem Fisch und allem Jodigen: La V.2. Ohne Dosage bleibt die salzige Spannung ungebrochen, was zu Ceviche, Sashimi oder Langustinen passt. La V.1 ist die mildere Alternative für den, dem das zu streng ist.

Für die Tafel: 555. Sechs Monate Eichenfass, erste Gärung im Holz — dieser Wein ist für Gerichte mit Sauce gemacht: Hummer, Steinbutt, Kalbsbries, Bresse-Geflügel. Jedes Jahr entstehen davon 100 Magnums.

Für den, der Cramant verstehen will: die Cuvée Cramant. Ein Patchwork der Parzellen des Hauses in dieser einen Gemeinde, immer jahrgangsgebunden, 3 g/l. Sie zeigt, was ein einzelnes Grand-Cru-Dorf hervorbringt.

Zu würziger Küche und roten Fleischsorten: La Saignée. Ein Rosé, dessen Farbe aus einer kurzen Mazeration stammt, nicht aus zugesetztem Rotwein. Er begleitet Entenbrust, gegrilltes Lamm und gereifte Käsesorten.

Voirin Jumel champagne 555 blanc de blancs dans un salon

Häufige Fragen

 

Ist Voirin-Jumel ein Winzerchampagner?

Ja. Voirin-Jumel ist ein Récoltant Manipulant (RM) und vinifiziert ausschließlich Trauben aus eigenen Weinbergen in Cramant, Chouilly und Mareuil-sur-Aÿ. Das Kürzel RM steht auf jedem Etikett vor der Zulassungsnummer. Als Weinhändler hat er jedoch die Möglichkeit, bei Bedarf zusätzlich Trauben von umliegenden Parzellen zu kaufen.

Was bedeutet Grand Cru in der Champagne?

Die Einstufung gilt der Gemeinde, nicht der einzelnen Parzelle. Champagneweit sind 17 Gemeinden als Grand Cru klassifiziert, sechs davon liegen in der Côte des Blancs: Oiry, Chouilly, Cramant, Avize, Oger und Le Mesnil-sur-Oger. Die Parzellen von Voirin-Jumel in Cramant und Chouilly tragen diese Einstufung. Lesen Sie mehr zu Grand Cru.

Was unterscheidet La V.1 von La V.2 von Voirin-Jumel?

Nur die Dosage. Beide Cuvées stammen aus denselben Parzellen, demselben Basisjahrgang und enthalten 40 Prozent Reservewein. La V.1 erhält 4 bis 6 g/l Dosage, La V.2 gar keine (0 g/l).

Warum ein Champagner ohne Dosage?

Ohne zugesetzten Zucker zeigt der Wein seine Primäraromen unmittelbarer — bei La V.2 eine straffe, zitrische und salzige Linie. Ein Brut Nature verlangt allerdings sehr reifes, gesundes Lesegut: Es gibt nichts, was Unausgewogenheit kaschieren könnte.

Wie lange kann man einen Voirin-Jumel lagern?

Drei bis fünf Jahre für alle sechs Cuvées. Gelagert wird liegend, dunkel und bei gleichmäßiger Temperatur zwischen 10 und 14 °C. Serviert werden sie bei 8 bis 10 °C.

Was kostet ein Champagner von Voirin-Jumel?

Zwischen 34,00 € für L'Assemblage und 66,00 € für die Cuvée Cramant (Stand September 2026). Die sechs Cuvées liegen jeweils bei 0,75 Litern.

Seit wann gibt es Champagne Voirin-Jumel?

Die Marke entstand 1968 mit der Hochzeit von Gilles Voirin und Françoise Jumel. Der Betrieb selbst wird seit fünf Generationen weitergegeben und umfasst heute rund zehn Hektar.


Über die Autorin

Marion Quast — Mitgründerin von Quast Collection

Als Deutsch-Französin begleitet Marion Quast den Champagner seit fast dreißig Jahren. Für Quast Collection wählt sie ausschließlich Winzerchampagner aus — handverlesen aus rund 16.000 Winzern der Champagne. Ihre Expertise vertiefte sie in einer sechsmonatigen Fachausbildung bei der Sommelière Manuela Prieth.

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